TBC BakterienEine Tuberkulose - TBC der Lunge oder aber auch anderer Organe - ist eine Infektionserkrankung des Menschen und einiger Säugetiere durch besondere Bakterien, die sogenannten Mykobakterien. Über Monate bis Jahre führen diese Keime mitunter zu einer schleichenden Entzündung und schrittweisen Zerstörung von Organen, in erster Linie der Lunge, seltener der Nieren und Geschlechtsorgane oder der Knochen. Die häufigsten Beschwerden bei der Lungentuberkulose können Husten, Bluthusten, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust,

Nachtsschweiß, seltener Brustschmerzen und Luftnot sein. Diese Symptome sind jedoch nicht allein für die Tuberkulose typisch, sie können auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Mykobakterien sind gegenüber Umwelteinflüssen sehr widerstandsfähig und können beispielsweise unter lichtarmen Verhältnissen in Staub bis zu 10 Monaten (U-Bahn) infektiös bleiben. Beim Husten eines an einer "offenen Tuberkulose" Erkrankten, d.h. eines Patienten, der im Gegensatz zum Fall einer "geschlossenen Tuberkulose" nach außen hin

Tuberkulose-Bakterien abscheidet, können Keime noch viele Minuten bis zu einer Stunde in der Luft schweben und zur Ansteckung führen.

Die Gefahr einer Neuinfektion eines bis dahin gesunden ausgewogen ernährten Menschen ist insgesamt gering. Sie ist einerseits abhängig von seiner Abwehrkraft, in erster Linie jedoch von der Zahl der eingeatmeten Tuberkulose-Bakterien. Die Ansteckungsgefahr ist dann groß, wenn der Gesunde einem hustenden Tuberkulose-Kranken dicht gegenüber steht und dessen Ausatemluft unmittelbar einatmet. Eine Impfung oder frühere Erkrankung schützt nur schwach gegen eine Infektion.

Die ältere Generation („Kriegsgeneration“, die Zeiten der Mangelernährung durchlebt hat) hat sich zumeist bereits in der Jugend mit Tuberkulose-Bakterien auseinandersetzen müssen und hat nicht selten eine kleine Tuberkulose ohne Behandlung selbst ausgeheilt, meist ohne davon etwas bemerkt zu haben. Dies kann oft im Röntgenbild an kleinen Verkalkungsherden festgestellt werden. Oder aber: die Mykobakterien wurden durch Immunabwehr lediglich eingekapselt und „in Schach gehalten“, sie können sich jedoch bei Schwächung der Immunabwehr wieder vermehren und wieder die Oberhand gewinnen; etwa, wenn hohes Alter, Diabetes, Krebs, AIDS oder Alkoholismus die Immunkräfte schwächen.

Eine Lungentuberkulose erkennt der Arzt in erster Linie an der Röntgenaufnahme. Bei Patienten, die nicht gegen Tuberkulose geimpft worden sind, kann ein Tuberkulose-Hauttest erste Hinweise auf eine entweder in früherer Zeit durchgemachte oder gar momentan bestehende Tuberkulose geben. Der endgültige Nachweis einer Tuberkulose ist jedoch erst dann geführt, wenn die Tuberkulose-Erreger (Mykobakterien) entweder direkt im unter dem Mikroskop oder nach 4- bis 8-wöchiger Anzüchtungsuntersuchung des Auswurfs direkt nachgewiesen werden. In vielen Fällen gelingt der Nachweis der Keime erst nach einer Spiegelung der Atemwege. Wegen der zunehmenden Häufigkeit von Tuberkulose-Keimen, die gegen bestimmte Tuberkulose-Medikamente resistent (d.h. unempfindlich) geworden sind, müssen die Keime nach Möglichkeit unbedingt nachgewiesen werden, um die Behandlung entsprechend anzupassen. Bei Erregernachweis der TBC muß die Behandlung begonnen werden. Nicht selten jedoch muß sich der Arzt damit begnügen, aufgrund von Röntgenuntersuchung und weiteren Hinweisen die TBC als wahrscheinlich einzustufen. Auch dann muß eine Behandlung eingeleitet werden.

Der folgende Text richtet sich an Patienten, bei denen eine Behandlung der TBC eingeleitet werden muß. Er umreißt in etwa die Informationen einer Aufklärung vor der Tuberkulose-Therapie. In jedem Einzelfall sind jedoch individuelle Einzelheiten besonders zu berücksichtigen!


Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient!

Bei der TBC handelt es sich um eine meist ansteckende und daher vom Gesetz behandlungs- und meldepflichtige Erkrankung, die ohne Therapie oft zum Tode führt! Glücklicherweise stehen der Medizin heutzutage eine Reihe gut wirksamer und überwiegend gut verträglicher Medikamente zur Verfügung, die - eine absolut regelmäßige und korrekte Einnahme über mindestens ein halbes Jahr vorausgesetzt - zu einer vollständigen Ausheilung dieser gefährlichen Erkrankung führen. Die Behandlung muß in einzelnen Fällen zunächst für 4-8 Wochen im Krankenhaus erfolgen. Die Tabletteneinnahme erfolgt in der Regel jeweils nach dem Frühstück. Solange Ansteckungsfähigkeit besteht (im allgemeinen wenige Wochen), ist außerhalb der Wohnung ein Mundschutz zu tragen und dürfen alle öffentlichen Einrichtungen nicht betreten werden. Im Hinblick auf die Verträglichkeit der Medikamente ist ein absolutes Alkoholverbot auszusprechen! Frauen müssen unbedingt während der Behandlungsdauer eine Schwangerschaft verhindern (Schädigung des Kindes durch TBC-Medikamente) und zudem auf eine Verhütung mittels Antibaby-Pille verzichten, da diese bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter TBC-Medikamente (Rifampicin) nicht wirksam ist. Um Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen, sind regelmäßige Kontrollen des Blutbildes, der Leber- und Nierenfunktion erforderlich. Bei Einsatz bestimmter Medikamente sind unbedingt während der Behandlungsdauer Kontrollen der Sehkraft und des Gehörs notwendig. Sie sollten jedoch von sich aus sofort beim Auftreten von Unverträglichkeiten den Arzt hiervon in Kenntnis setzen. Zur Verkürzung der Behandlungsdauer und um Resistenzentwicklungen der Tuberkuloseerreger zu verhindern, kommen je nach Schwere der Erkrankung im allgemeinen anfangs gleichzeitig drei - bei schweren Fällen sogar bis zu sechs verschiedene Medikamente gleichzeitig zur Anwendung. Wir möchten Sie nun hiermit über die möglichen häufigeren Nebenwirkungen dieser Medikamente informieren und bitten Sie, sich mit der Behandlung einverstanden zu erklären! Neben möglichen allergischen Reaktionen und Magen-Darm-Unverträglichkeiten treten bei den einzelnen Medikamenten folgende seltene Nebenwirkungen (weniger als 10 %) auf, die von Ihrem Arzt regelmäßig überwacht werden:


Isoniacid/INH: vorübergehende Leberfunktionsstörung, Störungen des Nervensystems (Krämpfe, Gefühlsstörungen, Störung der Muskelbeweglichkeit), Blutbildveränderungen.

Rifampicin/RMP: vorübergehende Leberfunktionsstörung, harmlose Rotfärbung des Urins.

Pyrazinamid/PZA: vorübergehende Leberfunktionsstörung, Hautreizung (Sonne vermeiden), Gelenkbeschwerden, Gichtanfall.

Ethambutol/EMB: Störung im Bereich des Sehnervs.

Streptomycin/SM: Schädigung des Gehörs, Schwindel, Beeinträchtigung der Nierenfunktion, Gabe als intramuskuläre Spritze: daher Blutung, Verletzung eines Nervs

Ciprofloxacin: Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerz, Unruhe, Krämpfe.

Prothionamid/PTH: vorübergehende Leberfunktionsstörung, Störungen des Nervensystems, Blutbildveränderungen, Schilddrüsenstörungen.