RöntgenaufnahmenDie Lunge fühlt keine Schmerzen - wer bei schweren Lungenkrankheiten erst auf Symptome wartet, verschenkt

Heilungschancen. Das Magengeschwür, der Herzinfarkt, der Bandscheibenschaden - bei den meisten Organen äußern sich neu entstehende Krankheiten durch Schmerzen. Der Schmerz ist das erste Signal, das zu weiterer Diagnostik führt. Der Weg der Diagnosestellung führt vom Symptom zur Untersuchung. Anders bei der Lunge. Sie hat kein Schmerzorgan. Krankheiten geben allenfalls geringe und wenig hinweisende Warnzeichen: Husten, Gewichtsabnahme oder schleichender Luftmangel geben keine eindeutigen Hinweise; meist sind sie nicht Zeichen ernsthafter Erkrankungen.

Wenn aber z.B. eine Lungenkrebs heranwächst, verursacht er in der Regel erst Schmerzen und andere schwere Symptome, wenn er für eine heilende Behandlung schon zu groß geworden ist. Auch die Lungen-TBC kann über Monate und Jahre schwelend das Lungengewebeschädigen und gleichzeitig eine Ansteckungsgefahr für die Kontaktpersonen des Erkrankten sein, ohne daß wesentliche und warnende fühlbare Krankheitszeichen erkennbar wären. Nur eine schleichend zunehmende Ermüdbarkeit, vielleicht eine gewisse Verminderung des Körpergewichtes etc. treten auf - Allerweltssymptome! Weil Husten - gerade bei Rauchern ("normaler Raucherhusten...") - häufig verharmlost wird und schleichender Luftmangel und Abgeschlagenheit oft nicht alarmierend sind, ist die regelmäßige Röntgenaufnahme der Lunge sinnvoll. Als Faustregel gilt, daß Erwachsene über 40 Jahren einmal jährlich an der Lunge geröntgt werden sollten. Die Abwägung für jede Aufname ist selbstverständlich immer mit dem Arzt zu treffen. Wer höhere Risiken wie Rauchen und Asbestkontakt hat, sollte besonders strikt überwacht werden!

Welche Krankheiten werden durch Röntgenaufnahmen der Lunge erkennbar? Gleich vorweg: wieviele Zigaretten Sie in früheren Jahren geraucht haben, ist der Lungenaufnahme nicht anzusehen. Wohl aber sind Folgen wie Lungenkrebs, Lungenemphysem (Blählunge) und vermehrte Entzündungen und ein vorzeitiges Altern der Lunge erkennbar. Der geübte Pneumologe (Lungenarzt), der täglich Duzende von Lungenaufnahmen beurteilt, sieht in ihnen sozusagen den Fingerabdruck des Atmungsorgans. Frühere Schädigungen und Rippenfellentzündungen (sie waren in Notzeiten und Kriegsjahren häufig tuberkulös - im späteren Alter kann die Krankheit wieder aktiv werden) hinterlassen ihre Spuren. Asbesterkrankungen werden zuerst über Lungenaufnahmen erkannt.Herzerkrankungen werden erkennbar - vor allem die Herzschwäche und der Bluthochdruck geben auf Lungenaufnahmen frühzeitig Hinweise. Eine Lungenentzündung, die aufgrund ihrer Brustwand-fernen Lage nicht mit dem Stethoskop zu erfassen ist, kann durch Röntgen gesichert werden und heilt - rechtzeitig durch Antibiotika behandelt - ohne Dauerschädigung der Lunge ab. Viele andere seltenere Lungenkrankheiten geben sich nur auf Röntgenaufnahmen eindeutig zu erkennen.

... und die Risiken durch die Röntgenstrahlen?

Strahlen können Schäden verursachen! Niemand würde das leugnen! Man denke nur an die Folgen von Tschernobyl für die Arbeiter, die den gefährlichen Reaktor unter starker Bestrahlung sicherten. Auch zur Behandlung eingesetzte Strahlen wie bei der Bestrahlung des Krebses können zu Entzündungen und Vernarbungen des Gewebes führen (solche Wirkungen nimmt man ggf. inkauf, wenn die Aussicht auf Heilung der Krebserkrankung besteht)! Die Reaktion und evtl. Beschädigung des Gewebes ist abhängig von der Dosis der Bestrahlung. Für Lungenaufnahmen ist die Strahlendosis gering, da die Lunge sehr lufthaltig ist und deswegen nur sehr kurze "Belichtungszeiten" für die Aufnahmen benötigt werden. Es wird wenig Weichteilgewebe getroffen und so nur wenig "Streustrahlung" zu Organen umgelenkt, die besonders gefährdet wären (Geschlechtsorgane, Augenlinse). Die für Lungenaufnahmen verwendete Strahlenart ist ohnehin nur wenig durch Streuung ablenkbar (sogenannte "Hartstrahlaufname").

Jeder Röntgenarzt, ob Pneumologe (Lungenarzt) oder Allgemein-Radiologe, ist durch Gesetz verpflichtet, seine Röntgenapparate ständig zu überprüfen und überprüfen zu lassen. Er ist verpflichtet, sie ständig dem Stand der Technik anzupassen. Die Qualitätsprüfung und Prüfung der Strahlenschutzeinhaltung wird behördlich durchgeführt - bei Mängeln droht - wie beim Auto - der Entzug der Betriebserlaubnis durch den TÜV. Der TÜV überprüft auch, ob technische Neuerungen gemäß den gesetzlichen Vorgaben nachgerüstet wurden.

Durch Verbesserungen der Bildverstärkung konnte die benötigte Strahlendosis für Lungenaufnahmen auf ein Viertel der früher benötigten Strahlenmenge gesenkt werden, ohne daß eine Einbuße der Bildqualität entstand. Diese gute Entwicklung wird weitergehen. Der beste Strahlenschutz ist die Vermeidung unnötiger Aufnahmen! Deswegen ist es immer sinnvoll, ältere Aufnahmen der Lunge aufzuheben und dem Lungenarzt vorzulegen. Vielleicht wurde ja im Zusammenhang mit einer betrieblichen Kontrolle, bei einem operativen Eingriff o.ä. vor kurzer Zeit eine Lungenaufnahme angefertigt. Wenn die Aufnahmen beschafft werden können, kann evtl. auf neue Aufnahmen verzichtet werden.

Computertomogram (CT), das sehr viel strahlenintensiver ist, kann so oft vermieden werden!

Fazit: Ohne Lungenaufnahmen sind viele Krankheiten der Lunge nicht rechtzeitig aufzudecken. Der Lungenkrebs kann - frühzeitig entdeckt - heutzutage in vielen Fällen geheilt werden. Er ist der häufigste Krebs weltweit und fordert in Deutschland jährlich fast 100.000 Opfer. Die Lungen-TBC ist eine Gefahr für den betroffenen Patienten und seine Umgebung; in Zeiten von AIDS und durch Einwanderung von Menschen aus schlechter versorgten Gebieten (Osteuropa etc.) stellt sie unverändert eine Gefahr für uns alle dar. Frühzeitig entdeckt, kann sie mit Medikamenten behandelt werden. Deswegen sind Kontrollaufnahmen auch ohne spürbare Krankheitssymptome sinnvoll!