Kann man denn bei Lungenkrebs überhaupt noch etwas tun? Wie lange Zeit bleibt noch? Müssen sich Schmerzen und Luftmangel einstellen? Wäre alles anders, wenn ich nicht geraucht hätte? Hat es jetzt noch Sinn, mit dem Rauchen aufzuhören? Solche Fragen sind meist die ersten, die auf die Patientin/den Patienten einstürmen, wenn die Diagnose Lungenkrebs gestellt wird. Hier sollen diese häufigsten Fragen beleuchtet werden und Antworten gesucht werden - nicht immer sind allerdings klare und eindeutige Antworten möglich.

Die Diagnose wird durch das Röntgenbild aufgedeckt. Durch Bronchoskopie werden Gewebe oder Zellen aus der Lunge hervorgeholt, die unter dem Mikroskop untersucht werden und die Eingrenzung der Art des Lungenkrebses erlauben. Oft ist eine Computertomographie (CT) und eine Untersuchung der Knochen/ Knochenszintigraphie sowie der Leber (Ultraschall, CT) erforderlich, um die genaue Größe des Tumors und evtl. schon vorhandene Metastasen festzustellen. So werden die Voraussetzungen für den erfolgversprechendsten Weg der Behandlung festgelegt. Durch genaue Untersuchungen der Atmung (Spirometrie, Bodyplethysmographie, Blutgasanalyse, Lungenszintigraphie) kann vorhergesagt werden, welche Behandlung voraussichtlich gut vertragen wird. Richtiger müßte Lungenkrebs eigentlich Bronchialkrebs heißen, denn er geht von der Schleimhaut der Bronchien, der zu den Lungenbläschen führenden Atemwegen also, aus.

Oft genug bleibt die Ursache unbekannt; man weiß heute allerdings sicher, daß für die meisten Arten von Lungenkrebs der eine wesentliche Ursache oder Teilursache ist. Eine weitere wissenschaftlich gesicherte Ursache ist das Einatmen von Asbestfasern -und besonders hoch wird das Risiko für Lungenkrebs, wenn beides zusammenkommt.

Es ist praktisch in allen Fällen möglich und sinnvoll, eine Behandlung zu beginnen. Die Behandlung besteht aus Maßnahmen zur Rückbildung des Tumorwachstums und aus der Linderung von Beschwerden, die vom Tumor ausgehen - oft werden die Beschwerden schon gelindert, wenn die Maßnahmen zur Tumorrückbildung eingeleitet wurden. Die Operation, die Bestrahlung und die Infusionstherapie mit Medikamenten, die den Tumor zerstören (Chemotherapie) sind die wissenschaftlich abgesicherten Methoden, das Bronchialkarzinom zur Rückbildung zu bringen!

Eine Operation ist immer dann sinnvoll, wenn der Tumor in der Lunge nicht weit ausgebreitet ist und nicht zur Aussaat neigt. Wenn operiert wird, wird praktisch immer mindestens ein Lungenlappen entfernt. Da der Mensch fünf Lungenlappen hat, entsteht in der Regel keine spürbare Einschränkung der Atmung. Selbst wenn ein ganzer Lungenflügel entfernt werden muß, sind Einschränkungen der Atmung später erst bei stärkeren körperlichen Belastungen spürbar.

Durch Bestrahlung kann der Tumor im Bereich seiner Entstehung oft gut zur Verkleinerung gebracht werden. Sie hilft aber nur genau im Zielbereich - Tumorzellen, die sich an anderen Orten des Körpers eingenistet haben, werden durch die Bestrahlung nicht erreicht. Die Bestrahlung muß genau geplant und überwacht werden, damit benachbarte Organe (gesundes Lungengewebe, Rückenmark, Herz) möglichst wenig beeinträchtigt werden. Durch die Bestrahlung können Nebenwirkungen auftreten. Meist sind sie aber nur schwach und werden als geringe Schwächung des Allgemeinbefindens nur wenig bemerkt.

Eine Chemotherapie ist angezeigt, wenn der Tumor zu schnellem wachsen und/oder zur Aussaat (Metastasierung) neigt. Sie durchdringt die Körpergewebe auch an Stellen, an denen noch unentdeckte Tumorzellen ruhen. Sie wirkt bei schnellwachsenden Tumorarten am besten. Die Chemotherapie wird fast immer als Infusion von Medikamenten gegeben, die vor allem Tumorzellen besonders stark schädigen und sie zum Absterben bringen. Meist wird die Infusionstherapie für wenige Tage gegeben. Dies wird alle 3-4 Wochen einige Male wiederholt. Nebenwirkungen sind mit den modernen Medikamenten oft kaum spürbar.Übelkeit, vermehrte Anfälligkeit für Infekte und Haarausfall sind zu nennen.

Nicht selten sind zur bestmöglichen Behandlung Kombinationen von Operation, Bestrahlung und Chemotherapie angezeigt.

Wenn Beschwerden vom Tumor ausgehen, müssen sie gezielt behandelt werden. Schmerzen sind heute durch starke und nebenwirkungsarme Medikamente meist gut zu beseitigen! Wenn Morphium eingesetzt werden muß, ist dies entgegen landläufiger Meinung eine gut verträgliche und nebenwirkungsarme Behandlung. Eine Suchtgefahr ist mit den heutigen langsam freisetzenden Präparaten praktisch nicht gegeben. Nach einer Phase der Gewöhnung ist auch eine Müdigkeit oder Schläfrigkeit meist so unbedeutend, daß die Aufmerksamkeit nicht beeinträchtigt wird und das Autofahren wieder gestattet werden kann. Luftmangel kann oft durch geeignete Medikamente und Inhalationssubstanzen gebessert werden. Wenn im Einzelfall Sauerstoff benötigt wird, wird dieser vom Lungenarzt verordnet. Eine allgemeine Schwächung und Neigung zur Gewichtsabnahme ist oft vorhanden; durch Wunschkost und von der Verdauung leicht aufnehmbare Nahrung ("Astronautenkost") kann oft gegengesteuert werden.

Das Rauchen hat vielleicht zur Entstehung der Erkrankung geführt - ist es denn nun notwendig, damit abrupt aufzuhören? Dies ist nicht eindeutig zu beantworten. Die Diagnosestellung der Krankheit Lungenkrebs ist ohne Zweifel eine erhebliche seelische Belastung für die/den Betroffene/n. Die plötzliche Entwöhnung vom Nikotin stellt ggf. eine zusätzliche seelische Belastung dar, ohne daß damit an der Diagnose selbst etwas geändert wäre. Wir besprechen das „Für-und-Wider“ mit dem Patienten und versuchen, den für den Einzefall richtigen Weg zu finden.

Anders liegt der Fall, wenn eine Operation des Tumors angestrebt und vorbereitet wird. Die kritische Phase direkt nach der Operation, in der die Reinigung der Atemwege eine oft entscheidende Rolle spielt, verläuft sehr viel sicherer, wenn in den Wochen zuvor zuverlässig auf Nikotin verzichtet wurde! Da gilt striktes Rauchverbot!

Ein Wort zu den "anderen Methoden" der Krebsbehandlung. Eine Vielzahl von Therapien werden dem Krebskranken in seiner oft verzweifelten Situation als Ausweg angeboten. Seien es besondere Diätbehandlungen, teure (fast immer selbst zu zahlende) Behandlungen zur "Stärkung der Immunabwehr" usw.. Diese Behandlungsformen haben keinen Eingang in die Schulmedizin gefunden, weil sie den Beweis ihrer Wirksamkeit nicht erbringen konnten. Im Einzelfall werden wir bei der Entscheidung helfen. Was immer zur Krebsbekämpfung an Methoden zum Einsatz kommt - die uneingeschränkte Zuwendung und offene Beratung ist für die Kranke/den Kranken von entscheidender Wichtigkeit. Die Angehörigen und Ärztin/Arzt müssen sich ergänzen; die Patientin/der Patient steht immer im Mittelpunkt und hat immer das letzte Wort über den Fortgang oder evtl. auch Abbruch der Behandlung.